Sarkoide beim Pferd: Ursachen, Formen und was Besitzer wissen sollten
Das Equine Sarkoid ist der häufigste Hauttumor beim Pferd. Er wächst lokal, streut nicht, neigt nach einer Entfernung aber stark zu Rückfällen. Da kein Pflegeprodukt Sarkoide behandeln kann, erfordert jede Hautveränderung zwingend eine tierärztliche Diagnose.
Ein Pferd steht ruhig in seiner Box, während ein Tierarzt eine knotige Hautveränderung am Bauch untersucht. · KI-generiert
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Was ein Sarkoid beim Pferd ist
Das Equine Sarkoid ist der mit Abstand häufigste Hauttumor bei Pferden. Es handelt sich um eine lokal aggressiv und infiltrativ wachsende, semimaligne Hautneoplasie, die zwar tiefer liegendes Gewebe durchdringen kann, jedoch keine Metastasierung in innere Organe bildet. Für Pferdebesitzer bedeutet das: Die Erkrankung ist lokal ernstzunehmen, bildet aber keine Tochtergeschwülste im Körper.
Der häufigste Hauttumor beim Pferd
In der veterinärmedizinischen Fachliteratur nimmt das Equine Sarkoid eine zentrale Stellung ein. Untersuchungen belegen, dass Sarkoide etwa 20 % aller Tumoren beim Pferd und rund 36 % aller Hauttumoren ausmachen. In einer Auswertung der Klinik für Pferde der Tierärztlichen Hochschule Hannover waren unter den vorgestellten Fällen überwiegend Wallache im Alter von drei bis acht Jahren. Die Auswertung erfasst ausschließlich bereits erkrankte Pferde und lässt daher keinen Schluss auf das Erkrankungsrisiko einzelner Gruppen zu. Eine Bindung an bestimmte Rassen oder Fellfarben ließ sich dort nicht nachweisen: Sarkoide lassen sich bei jeder Pferderasse und jeder Fellfarbe feststellen. Grundsätzlich können Pferde aller Rassen, Fellfarben und Altersgruppen erkranken.
Lokal invasiv, aber ohne Metastasierung
Biologisch gesehen ist das Equine Sarkoid ein Hauttumor mesenchymalen Ursprungs mit variabler epidermaler Beteiligung. Die Fibroblastenproliferation betrifft primär die Lederhaut (Dermis), in seltenen Fällen kann auch die Unterhaut (Subkutis) beteiligt sein. Trotz des lokal aggressiven und infiltrativen Wachstums wird eine Metastasierung nicht beobachtet. Das Sarkoid ist ein Tumor, der nur in der Haut vorkommt. Für den Halter bedeutet dies, dass die Erkrankung die lokale Funktion von Hautpartien beeinträchtigen kann, der Tumor selbst aber nicht über Blut- oder Lymphbahnen in fernliegende Organe streut.
Warum ein Sarkoid niemals eine Warze ist
In der Praxis werden anfängliche Sarkoide fälschlicherweise oft als harmlos abgetan oder mit gewöhnlichen Warzen verwechselt. Die dermatologische Fachliteratur stellt hierzu klar heraus: Sarkoide präsentieren sich klinisch und histopathologisch als echte Hautneoplasien und dürfen ausdrücklich nicht als Warzen definiert werden. Während echte viral bedingte Papillome (Warzen) bei jungen Pferden meist spontan abheilen und von allein verschwinden, fehlt dem Equinen Sarkoid diese Neigung zur Selbstlimitierung. Lediglich die verruköse Verlaufsform weist eine schuppige, warzenähnliche Oberfläche auf. Die zugrundeliegende Zellstruktur besteht jedoch aus verändertem Bindegewebe, das ohne fachgerechtes Eingreifen bestehen bleibt oder aggressiver werden kann.
- Semimaligner Charakter: Lokal aggressives und infiltratives Wachstum in Dermis und in seltenen Fällen Subkutis, ohne Streuung in innere Organe.
- Echte Neoplasie: Kein harmloser Hautauswuchs und keine gewöhnliche Warze, sondern ein echter Bindegewebstumor.
- Häufigster Hauttumor: Macht rund 36 Prozent aller diagnostizierten Hauttumoren beim Pferd aus.
Der Auslöser: das bovine Papillomavirus
Die Entstehung des Equinen Sarkoids ist eng mit einer Infektion durch das bovine Papillomavirus Typ 1 und Typ 2 verknüpft. Dieses Virus gilt in der Veterinärmedizin als primäres auslösendes Agens. Die alleinige Anwesenheit von Virus-DNA führt jedoch nicht zwangsläufig zum Tumorausbruch, da zusätzliche genetische Faktoren und lokale Hautreize zusammentreffen müssen.
BPV-1 und BPV-2 als primäre Auslöser
Das bovine Papillomavirus, vor allem die Typen 1 und 2, gilt heute als das maßgebliche auslösende Agens des Equinen Sarkoids. Auch universitäre Informationen für Pferdebesitzer benennen BPV-1 und BPV-2 als Ursache dieses semimalignen Hauttumors. Der Übertragungsweg ist nicht abschließend geklärt. Da BPV-1 in verbreiteten Fliegenarten wie Stuben- und Stallfliege nachgewiesen wurde und Sarkoide bevorzugt an Wundstellen entstehen, werden Fliegen als mechanische Vektoren diskutiert. Ebenso gilt eine indirekte Übertragung über gemeinsam genutztes Putz- und Sattelzeug oder kontaminierte Weiden als möglich.
Genetische Disposition und latente Präsenz
Der Nachweis von BPV-DNA ist für die Entwicklung eines Sarkoids notwendig, stellt jedoch keineswegs die alleinige Ursache dar. Untersuchungen zeigten, dass virale DNA des Papillomavirus auch in unveränderter, klinisch gesunder Haut von Pferden nachgewiesen werden kann. Warum das eine Pferd Tumoren entwickelt und das Pferd in der Nachbarbox trotz gleicher Haltungsbedingungen erscheinungsfrei bleibt, liegt an individuellen Empfindlichkeiten. In der Fachliteratur wird eine genetische Prädisposition beschrieben, die an spezifische Gene des Haupthistokompatibilitätskomplexes (MHC-II-Allele) gekoppelt ist. Eine direkte Ansteckung von Pferd zu Pferd im Sinne einer klassischen Infektionskrankheit gilt daher als sehr unwahrscheinlich.
Harmlos beim Rind, aggressiv beim Pferd
Aus virologischer Sicht bietet das BPV ein interessantes spartenübergreifendes Phänomen. In seinem natürlichen Wirt, dem Rind, verursacht das bovine Papillomavirus meist gutartige, sich selbst limitierende Hautwarzen, die nach einiger Zeit absterben. Wird das Virus jedoch auf den Fehlwirt Pferd übertragen, verändert sich das Krankheitsbild grundlegend. Das pferdeeigene Immunsystem kann das Virus in den dermalen Fibroblasten oft nicht adäquat neutralisieren. Anstatt einer harmlosen Epidermisveränderung entsteht eine chronische, lokal invasive Bindegewebswucherung. Zusätzlich wirken mechanische Mikrotraumen oder frühere Hautverletzungen als Katalysator, die das Einwandern der Viren in tiefere Hautschichten erleichtern.
- Auslösendes Virus: Bovines Papillomavirus Typ 1 und Typ 2 (BPV-1/-2) als primäres Agens.
- Mögliche Vektoren: Übertragung durch fliegende Insekten (Weidefliegen und Stallfliegen) sowie kontaminiertes Putz- und Sattelzeug.
- Genetische Komponente: Erbliche Veranlagung über MHC-II-Allele bestimmt die individuelle Empfänglichkeit.
Die Formen und wo sie auftreten
Das Equine Sarkoid zeigt ein außerordentlich vielgestaltiges Erscheinungsbild, das in sechs klinische Hauptformen unterteilt wird. Häufige Prädilektionsstellen sind dünn behaarte, feuchte oder durch Ausrüstung mechanisch beanspruchte Hautareale sowie frühere Verletzungen. Da sich die Formen optisch überschneiden können, erfordert eine genaue Einteilung stets eine fachkundige tierärztliche Beurteilung.
Die sechs klinischen Verlaufsformen
In der Veterinärmedizin wird das Equine Sarkoid anhand des Erscheinungsbildes in sechs eigenständige Formen klassifiziert. Die okkulte Form fällt oft nur durch haarlose, leicht schuppige Hautareale auf. Die verruköse Form ähnelt krustigen, warzenartigen Verdickungen. Noduläre Sarkoide bilden feste Knoten unter der Haut, während fibroblastische Sarkoide als fleischige, leicht blutende Wucherungen hervortreten. Gemischte Formen vereinigen Merkmale mehrerer Typen. Die malevolente (bösartige) Form ist selten, wächst jedoch extrem aggressiv entlang von Lymphbahnen und Gewebesepten.
| Sarkoidform | Klinisches Erscheinungsbild | Typische Körperregionen |
|---|---|---|
| Okkult | Flache, haarlose, graue Hautareale mit rauer, asbestartiger Oberfläche | Kopf, Augenregion, Innenseite der Schenkel |
| Verrukös | Trockene, krustige, borkige oder warzenähnliche Erhebungen mit Hyperkeratose | Gesicht, Ohrmuschel, ventrales Abdomen |
| Nodulär | Feste, abgegrenzte Knoten in der Lederhaut oder Unterhaut; intakt oder ulzeriert | Leistenregion, Innenschenkel, Achselhöhlen |
| Fibroblastic | Fleischige, blumenkohlartige Wucherungen; feucht, blutet leicht bei Berührung | Gurtlage, Beine, Leisten, Narbenareale |
| Gemischt | Kombination aus zwei oder mehr Formen an derselben Stelle | Häufig bei chronischen oder traumatisierten Tumoren |
| Malevolent | Sehr seltene, infiltrative Form mit knotigen Strängen entlang von Gewebeschichten | Ellbogenbereich, Kieferwinkel, Beine |
Prädilektionsstellen und Gewebetrauma
Sarkoide treten gehäuft an spezifischen Körperregionen auf. Dazu zählen feuchte Hautfalten an den Schenkelinnenflächen und im Genitalbereich, dünn behaarte Zonen rund um die Augen und Ohren sowie mechanisch belastete Bereiche wie die Gurtlage oder die Lippenkommissur. Eine wesentliche Rolle spielen zudem verheilte Verletzungen und Narbenareale. An Orten früherer Hautschäden siedeln sich Tumorzellen besonders leicht an. Zudem kann die unsachgemäße Behandlung oder ständige Manipulation einer milden Form (z. B. ein okkultes Sarkoid) dazu führen, dass der Tumor rasch in eine aggressivere, fibroblastische Form umschlägt.
Warum die Blickdiagnose nicht ausreicht
Obwohl das Erscheinungsbild erfahrene Tierärzte häufig zur Verdachtsdiagnose leitet, ist eine rein visuelle Differenzierung zwischen Sarkoiden, Plattenepithelkarzinomen, Melanomen oder überschießendem Granulationsgewebe oft unzuverlässig. Eine histologische Untersuchung einer Gewebeprobe liefert die einzig verlässliche Absicherung. Da eine Biopsie das Sarkoid jedoch zu beschleunigtem Wachstum anregen kann, wird die Probenentnahme in der Praxis erst dann durchgeführt, wenn ein konkreter Behandlungsplan feststeht.
Warum Sarkoide nach der Entfernung oft wiederkommen
Die Neigung zu Rezidiven ist die zentrale klinische Herausforderung bei der Betreuung von Sarkoiden. Nach einer alleinigen chirurgischen Exzision liegt die Wiederkehrrate laut Studien zwischen 15 und 82 Prozent. Wird ein bereits aufgetretenes Rezidiv erneut behandelt, steigt das Risiko einer abermaligen Tumorbildung drastisch an und verändert die langfristige Prognose.
Rezidivrisiko bei chirurgischer Monotherapie
Die chirurgische Entfernung eines Sarkoids als alleinige Maßnahme birgt erhebliche Risiken. Fachliteratur weist aus, dass das Rezidivrisiko bei reiner chirurgischer Exzision zwischen 15 % und 82 % liegt. Der Grund dafür liegt in der Mikromechanik des Tumors: Das Gewebe wächst mikroskopisch weit über den sichtbaren Rand hinaus. Wird bei der Exzision nicht ausreichend gesunder Geweberand mitentfernt, verbleiben unsichtbare Tumorzellen oder latente virale DNA in der scheinbar gesunden Umgebung. Die Traumatisierung des Gewebes durch das Skalpell kann verbliebene Tumorzellen zusätzlich stimulieren, sodass der Tumor nach dem Eingriff noch aggressiver nachwächst.
Die Kaskade der Folge-Rezidive
Aufschlussreich zur Therapieresistenz ist eine klinische Untersuchung der Tierärztlichen Hochschule Hannover von Brandt et al. an 58 Patienten mit insgesamt 126 Sarkoiden. Die Therapie war dort mit hohen Rezidivraten behaftet, die von Anzahl und Lokalisation der Sarkoide sowie von der gewählten Methode abhängen. Bereits aufgetretene Rezidive erwiesen sich bei erneuter Behandlung als nahezu therapieresistent. Eine Monotherapie führt entsprechend selten zum Erfolg, während Kombinationsverfahren die Rezidivrate deutlich senken können.
Zeitlicher Verlauf des Nachwachsens
Die zeitliche Dynamik von Rezidiven zeigt, dass die entscheidende Phase direkt nach der Intervention liegt. In der Hannoveraner Untersuchung wurden Rezidive ganz überwiegend in den ersten Monaten nach der Behandlung beobachtet. Entfernte Sarkoide wachsen häufig innerhalb von sechs Monaten und dann aggressiver nach, was auf eine Aktivierung latenter Virus-DNA im umgebenden, scheinbar unveränderten Gewebe zurückgeführt wird. Bleibt ein behandeltes Areal länger unauffällig, sinkt die Wahrscheinlichkeit eines späten Wiederauflebens an derselben Stelle.
- Rezidivrate Erst-OP: 15 % bis 82 % bei rein chirurgischer Exzision.
- Hohe Therapieresistenz: Rezidive gelten nach erneuter Behandlung als nahezu therapieresistent (58 Patienten, 126 Sarkoide).
- Kritisches Zeitfenster: Nachwachsen häufig innerhalb von sechs Monaten nach dem Eingriff.
Was die Tiermedizin anbietet
Die veterinärmedizinische Versorgung von Sarkoiden erfordert ein maßgeschneidertes Vorgehen, das Form, Größe, Anzahl und Lokalisation des Tumors berücksichtigt. Das therapeutische Spektrum reicht von chirurgischen und lasergestützten Verfahren über Kryotherapie und Immuntherapie bis hin zu zytostatischen Lokalpräparaten und Strahlentherapie. Eine Universallösung existiert aufgrund der hohen biologischen Variabilität nicht.
Chirurgische und lasergestützte Verfahren
Die chirurgische Entfernung gut abgrenzbarer Sarkoide erfordert einen Sicherheitsabstand von mindestens einem bis zwei Zentimetern in gesunden Geweberändern, um rezidivfördernde Nester zu erfassen. Zunehmend wird der CO2-Laser eingesetzt. Der Laser verschließt während des Schnitts Blut- und Lymphgefäße, verringert das Risiko der Verschleppung von Tumorzellen und sterilisiert die Wundränder durch Hitzewirkung, was die Wiederkehrrate senken kann. Gestielte, eng abgegrenzte Knoten können in spezifischen Fällen auch ligiert werden.
Kryotherapie und Immuntherapie
Bei der Kryochirurgie wird das Tumorgewebe schlagartig auf unter minus 20 °C abgekühlt und anschließend langsam aufgetaut. Die Eiskristallbildung zerstört Tumorzellen gezielt, da Neoplasien empfindlicher auf Temperaturschwankungen reagieren als gesunde Strukturen. Als wirksame Ergänzung gilt die Immuntherapie, beispielsweise mit BCG-Vakzinen (Bacillus Calmette-Guérin), die lokal injiziert wird und das pferdeeigene Immunsystem zur Abwehr anregt. Die Kombination aus chirurgischer Exzision und Immuntherapie zeigt in Studien deutlich reduzierte Rezidivraten gegenüber Monotherapien.
Lokaltherapeutika, Chemotherapie und Strahlentherapie
Für kleinere oder schwer operierbare Sarkoide stehen lokale Chemo- und Immuntherapeutika zur Verfügung. Injektionen von Cisplatin oder die lokale Anwendung von Präparaten wie Fluorouracil, Imiquimod, Acyclovir-Cremes oder zytostatischen Salben (wie der Liverpoolsalbe) werden je nach Befund eingesetzt. Bei Sarkoiden an kritischen Stellen wie der Lidregion oder den Gliedmaßen bietet die Brachytherapie (interstitielle Strahlentherapie mit Radioisotopen wie Iridium-192) sehr hohe Erfolgsquoten, erfordert jedoch spezialisierte Zentren. Sämtliche Maßnahmen sind strikt veterinärmedizinische Behandlungen und dürfen nur nach individueller Diagnose durch den Tierarzt angewendet werden.
- Laser- und Kryochirurgie: Thermische Gewebezerstörung und Randsterilisation zur Minimierung verbliebener Tumorzellen.
- Kombinationstherapien: Verbindung von Immuntherapie (z. B. BCG) mit chirurgischen Eingriffen senkt das Rezidivrisiko.
- Verschreibungspflichtige Lokalpräparate: Anwendung streng unter tierärztlicher Anleitung und nach maßgeschneidertem Protokoll.
Was Besitzer selbst tun können und was nicht
Die Rolle des Pferdeeigentümers liegt in der aufmerksamen Dokumentation, der Vermeidung mechanischer Reize und dem konsequenten Insektenschutz im Stallalltag. Frei verkäufliche Pflegeprodukte, Ergänzungsfuttermittel oder Hausmittel können ein Sarkoid weder entfernen, verkleinern noch am Wachstum hindern. Das unüberlegte Auftragen von Substanzen auf undiagnostizierte Hautveränderungen kann klinische Reaktionen auslösen und die Diagnose erschweren.
Sinnvolle Maßnahmen im täglichen Management
Pferdehalter können die veterinärmedizinische Begleitung durch umsichtiges Handeln im Stall unterstützen. Beobachten Sie verdächtige Hautstellen aufmerksam. Fotografieren Sie jede Veränderung in regelmäßigen Abständen mit einem angelegten Maßstab, um Größenzunahmen objektiv zu dokumentieren. Passen Sie das Equipment so an, dass Halfter, Trense, Sattelzeug oder Gurt nicht an den betroffenen Zonen scheuern. Ein konsequentes Fliegenmanagement mit Fliegendecken und Insektenschutz reduziert das Risiko, dass Vektoren das Papillomavirus auf andere Hautstellen übertragen.
Klare Grenzen: Keine Wirkung durch Pflege oder Hausmittel
Es muss unmissverständlich festgehalten werden: Kein frei verkäufliches Pflegeprodukt, keine Salbe, kein Ergänzungsfutter und kein Hausmittel kann ein Equines Sarkoid auflösen, schrumpfen lassen oder heilen. Produkte zur kosmetischen Reinigung und Hygiene unterstützen zwar den allgemeinen Zustand gesunder Hautpartien, besitzen jedoch keinerlei Einfluss auf die biologische Aktivität von Bindegewebstumoren. Versuche, Sarkoide mit verätzenden Hausmitteln, scharfen Pasten oder Abbindefäden in Eigenregie zu behandeln, führen häufig zu massiven Gewebereizungen. Solche Manipulationen können ein ruhendes okkultes Sarkoid aktivieren und das rasche Wachstum aggressiver fibroblastischer Tumoren auslösen.
- Dokumentieren: Regelmäßig fotografieren und Abmessungen vergleichen.
- Reizung vermeiden: Druck und Reibung durch Ausrüstung konsequent verhindern.
- Insektenschutz: Übertragung durch Fliegenvektoren mithilfe von Stall- und Weidemaßnahmen eindämmen.
- Keine Selbsttherapie: Keine Experimente mit Hausmitteln, ätzenden Salben oder unsachgemäßem Abbinden.
Wann zum Tierarzt
Eine frühzeitige tierärztliche Untersuchung ist der wichtigste Faktor für den Behandlungserfolg bei equine Sarkoiden. Jede neu entdeckte Hautumfangsvermehrung, plötzliche Größenveränderung, Oberflächenveränderung oder Blutung erfordert eine unmittelbare fachliche Begutachtung. Je kleiner und ungestörter ein Sarkoid bei der Erstvorstellung ist, desto überschaubarer gestalten sich die therapeutischen Optionen.
Gründe für eine umgehende Konsultation
Warten Sie nicht ab, bis eine Hautveränderung eine beträchtliche Größe erreicht hat. Sämtliche akademischen Pferdekliniken betonen einheitlich: Je kleiner ein Sarkoid bei der Erstdiagnose ist, desto unkomplizierter lässt es sich behandeln und desto günstiger stellt sich die Erstprognose dar. Ein sofortiger tierärztlicher Termin ist zwingend erforderlich, wenn Sie eine neue Umfangsvermehrung feststellen, wenn bestehende Knoten rasch wachsen, feucht werden oder zu bluten beginnen, oder wenn sich Veränderungen an mechanisch sensiblen Stellen wie der Gurtlage, dem Kopf oder den Genitalien befinden.
Erst diagnostizieren, dann handeln
Tragen Sie niemals unaufgefordert Salben, Öle oder Cremes auf eine unklare Hautveränderung auf, bevor der Tierarzt die Stelle begutachtet hat. Selbst milde Mittel können die Hautoberfläche aufweichen oder verändern, was die spätere Gewebebeurteilung und Probenentnahme erschwert. Der Tierarzt wird nach der klinischen Untersuchung entscheiden, ob die Veränderung belassen und beobachtet werden sollte oder ob ein gezielter Behandlungsplan eingeleitet wird. Je früher die Veränderung fachlich beurteilt wird, desto mehr Möglichkeiten bleiben offen.
- Neue Hautveränderung: Jede unklare Verdickung oder haarlose Stelle frühzeitig abklären lassen.
- Warnzeichen: Schnelles Wachstum, Ulzeration, Blutungen oder Feuchtigkeit erfordern schnelle Abklärung.
- Keine Vorbehandlung: Hautareal bis zur Befundung völlig unbehandelt und sauber halten.
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All you need to know
Ein Sarkoid ist ein semimaligner Tumor. Das bedeutet, er wächst lokal invasiv und kann den Gebrauchswert des Pferdes einschränken, streut aber nicht in innere Organe. Ein Sarkoid ist daher für das Pferd in der Regel nicht unmittelbar lebensbedrohlich, erfordert aber eine Diagnose durch den Tierarzt, da rechtzeitiges Handeln wichtig ist.
Das Bovine Papillomavirus (Typ 1 und 2) gilt heute als auslösendes Agens. Da das Virus jedoch auch auf der intakten Haut gesunder Pferde nachgewiesen wurde, reicht die Infektion allein nicht aus. Die Forschung diskutiert eine genetische Prädisposition. Häufig entstehen Sarkoide auch an Stellen früherer Verletzungen.
Eine direkte Ansteckung von Pferd zu Pferd gilt als sehr unwahrscheinlich. Obwohl das Bovine Papillomavirus beteiligt ist, entwickeln nur Pferde mit einer entsprechenden genetischen Veranlagung diese Tumore. Da das Virus aber möglicherweise über Fliegen von Wunde zu Wunde übertragen wird, ist ein guter Insektenschutz sinnvoll.
Nein. Kein freiverkäufliches Pflegeprodukt und kein Hausmittel kann ein Sarkoid behandeln, verkleinern oder entfernen. Jede eigenmächtige Behandlung einer unklaren Hautveränderung verschleiert das klinische Bild und kann die tierärztliche Diagnose massiv erschweren. Die Therapie gehört ausschließlich in tiermedizinische Hand.
Das Sarkoid selbst verkürzt in der Regel nicht die Lebenserwartung des Pferdes, da der Tumor keine Metastasen bildet. Die Prognose hängt vielmehr von der Lokalisation, dem Wachstum und dem gewählten Therapieverfahren ab. Der Tierarzt beurteilt im Einzelfall, wie sich das Sarkoid langfristig auf die Lebensqualität auswirkt.
Jede neue Umfangsvermehrung, jede Veränderung an einem bestehenden Knoten, schnelles Wachstum oder auftretende Blutungen sollten zeitnah tierärztlich abgeklärt werden. Auch Sarkoide an Stellen, wo Ausrüstung scheuert, erfordern eine schnelle Untersuchung, zwingend bevor Sie eigenmächtig Salben oder Pflegeprodukte auftragen.
