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08Artikel06. Aug. 2026

Strahlfäule beim Pferd: erkennen, täglich pflegen und vorbeugen

Ein dunkler, übel riechender Strahl signalisiert Handlungsbedarf: Konsequentes Auskratzen, eine trockene Umgebung und eine tägliche Pflegeroutine sind essenziell

Eine Person kratzt den Huf eines Pferdes aus und reinigt die Strahlfurchen, um Strahlfäule vorzubeugen. · KI-generiert

Eine Person kratzt den Huf eines Pferdes aus und reinigt die Strahlfurchen, um Strahlfäule vorzubeugen. · KI-generiert

Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Woran Sie Strahlfäule erkennen

Strahlfäule erkennen Sie im Alltag vor allem an dunklem, schmierigem und stechend faulig riechenden Zersetzungsprodukten in den Strahlfurchen. Der Geruch ist das verlässlichste Frühzeichen. Bei der Routinekontrolle dringt die Spitze des Hufkratzers tief in die mittlere oder seitliche Strahlfurche ein, während das Strahlhorn oft weich, zerklüftet und ausgefranst wirkt.

Die Veränderung beginnt typischerweise oberflächlich im Bereich der mittleren Strahlfurche (Sulcus centralis) und breitet sich bei fehlender Pflege auf die seitlichen Strahlfurchen sowie die verhornte Strahlfläche aus. Bei der täglichen Reinigung zeigt sich, dass das Horn an den betroffenen Stellen seine feste Struktur verliert. Die Hornoberfläche des Strahls wirkt dann rau und zerklüftet, und in den Nischen sammeln sich Zersetzungsprodukte.

Wird der Druck auf die tieferen Schichten erhöht, reagieren empfindliche Pferde mit Abwehrverhalten. Solange die Veränderung im Hornbereich verbleibt, verläuft die Strahlfäule meist ohne Lahmheit: Eine Lahmheit tritt in der Regel erst auf, wenn die Erkrankung die Huflederhaut erreicht hat. Blutungen zeigen sich häufig, wenn das Strahlgewebe unvorsichtig mit dem Hufkratzer berührt wird.

  • Typischer fauliger Geruch beim Auskratzen des Hufs
  • Dunkle, schmierige Beläge in den Strahlfurchen
  • Übermäßige Tiefe der mittleren und seitlichen Strahlfurchen
  • Weiches, ausgefranstes oder zerklüftetes Strahlhorn
  • Druckempfindlichkeit bei tieferem Reinigen der Furchen

Wie häufig Strahlfäule wirklich ist

Strahlfäule gehört zu den am häufigsten dokumentierten Hufveränderungen in der Pferdepraxis. Eine große Feldstudie zeigt, dass fast die Hälfte der untersuchten Pferde betroffen war. Strahlfäule ist damit ein alltägliches Pflegethema und kein Randbefund.

In einer groß angelegten Querschnittsstudie an 942 zufällig ausgewählten Pferden in den Niederlanden stellten 21 zertifizierte Hufschmiede bei 45,0 % der Tiere Strahlfäule fest. Die Beurteilung erfolgte im Rahmen der regulären Hufbearbeitung, und Strahlfäule war dabei die häufigste der zwölf erfassten Hufveränderungen.

Diese Zahl beschreibt das Vorkommen in der untersuchten Gesamtpopulation von 942 Pferden. Dieselbe Studie weist nasse Stallböden, dauerhafte Stallhaltung und schlechte Hornqualität als Risikofaktoren aus. Sie bedeutet aber nicht, dass Strahlfäule ausschließlich eine Folge nasser Haltung ist. Die Erkrankung tritt auch bei Pferden auf, die angemessen versorgt werden und in sauberer, trockener Umgebung stehen.

Untersuchter ParameterStudienergebnis (Holzhauer et al. 2017)
Stichprobengröße (n)942 zufällig ausgewählte Pferde
Untersuchende Personen21 zertifizierte Hufschmiede
Nachgewiesene Prävalenz45,0 % der 942 untersuchten Pferde

Was Strahlfäule begünstigt

Strahlfäule entsteht vor allem durch ein feuchtes, sauerstoffarmes Milieu in den Strahlfurchen. Festgetretenes Material aus Einstreu, Mist und Erde schließt die Furchen luftdicht ab. In diesem feuchten Milieu vermehren sich anaerobe Bakterien bevorzugt. Haltungsfaktoren wie nasse Böden, zu seltene Hufreinigung, lange Schmiedeintervalle und Bewegungsmangel verstärken diesen Prozess erheblich.

Eine mikrobiologische Untersuchung an 28 Hufproben von 16 Pferden bringt das anaerobe Bakterium Fusobacterium necrophorum mit Strahlfäule in Verbindung. Diese Bakterien benötigen für ihr Wachstum ein sauerstofffreies Klima, wie es unter kompakten, feuchten Schmutzpfropfen in tiefen Strahlfurchen entsteht. Als begünstigende Faktoren gelten seltenes Auskratzen der Hufe, unregelmäßige Hufbearbeitung und längeres Stehen in feuchter, unhygienischer Umgebung.

Dass ausgerechnet das Strahlhorn besonders anfällig für feuchte Zersetzungsprozesse ist, liegt an seiner spezifischen Materialbeschaffenheit. In 177 Zug- und Biegeversuchen an 110 Hornproben von sechs Warmblutpferden lag der physiologische Feuchtigkeitsgehalt der Strahlproben im Mittel bei 34,6 %, der der Sohlenproben bei 31,5 % und der der Wandproben bei 22,7 %. In derselben Untersuchung lag das Elastizitätsmodul des Strahlhorns mit 9,9 N/mm² weit unter dem des Sohlenhorns mit 230 N/mm². Dieser hohe Eigenfeuchtigkeitsgehalt macht den Strahl elastisch, bei dauerhafter äußerer Nässe aber auch besonders nachgiebig.

Begünstigender FaktorMechanismus im HufAnpassung in der Haltung & Pflege
Nasse Einstreu / MatschVerweicht das Horn und fördert FeuchtigkeitsstauTrockenes Einstreumanagement, saubere Paddockbereiche
Eingeschlossener SchmutzErzeugt ein sauerstofffreies (anaerobes) MilieuTägliches gründliches Auskratzen und Ausbürsten
Lange BearbeitungsintervalleTiefe, enge Furchen begünstigen AblagerungenRegelmäßige Hufbearbeitung alle 6 bis 8 Wochen
BewegungsmangelReduzierter Hufmechanismus vermindert SelbstreinigungTägliche freie Bewegung und gezieltes Bewegungstraining

Die tägliche Hufroutine

Eine konsequente Hufhygiene ist die wirksamste Grundlage zur Vorbeugung von Strahlfäule. Die offiziellen Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten vom 9. Juni 2009 geben hierzu eine klare Orientierung vor. Das tägliche Reinigen, sachgemäße Auskratzen und Trocknen der Strahlfurchen schützt das empfindliche Horngefüge vor feuchtigkeitsbedingter Erweichung und unerwünschtem Luftabschluss.

Die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten halten fest, dass insbesondere vor und nach jeder Nutzung Sohle und Strahlfurchen gesäubert werden sollten. Durch diese einfache Routine bleibt kein Mist- oder Reitplatzrest über längere Zeit in den Furchen liegen und bildet dort ein sauerstoffarmes Milieu. Zum Gesamtablauf gehören auch feste Bearbeitungsintervalle durch Hufschmied oder Hufpfleger: Das Beschlagintervall beträgt laut Leitlinien in der Regel 6 bis 8 Wochen.

  1. Huf sicher aufnehmen und kontrollieren: Prüfen Sie Sohle und Strahl visuell auf Unregelmäßigkeiten, Spalten oder Feuchtigkeitsansammlungen.
  2. Auskratzen von der Trachte zur Zehe hin: Führen Sie den Hufkratzer stets von hinten nach vorne, um nicht versehentlich in die empfindliche Ballenregion oder tiefe Strahlspalten zu stoßen.
  3. Strahlfurchen gründlich ausbürsten: Entfernen Sie feine Erd- und Einstreureste mit einer festen Hufbürste aus den seitlichen und der mittleren Strahlfurche.
  4. Feuchtigkeit kontrollieren und abtrocknen: Wenn der Huf gewaschen wurde oder nasse Erde anhaftete, trocknen Sie den Strahl mit einem sauberen Tuch sorgfältig ab.
  5. Regelmäßigen Bearbeitungsrhythmus einhalten: Lassen Sie die Hufform im Abstand von 6 bis 8 Wochen fachgerecht überprüfen und korrigieren.

Hausmittel im Faktencheck

Im Stallalltag werden zahlreiche Hausmittel zur Pflege des Strahls empfohlen, von Zahnpasta bis Apfelessig. Ein sachlicher Blick auf die wissenschaftliche Evidenz zeigt jedoch, dass für die meisten dieser Methoden keine publizierten Belege existieren. Zudem bergen stark austrocknende oder ätzende Substanzen das konkrete Risiko, gesundes Horn sowie angrenzendes Hautgewebe nachhaltig zu schädigen.

Zahnpasta wird gelegentlich in den Strahl geschmiert, da man sich von enthaltenen Tensiden oder Aromastoffen eine austrocknende Wirkung verspricht. In der veterinärmedizinischen Fachliteratur gibt es keinerlei wissenschaftliche Studien, die den Nutzen von Zahnpasta am Pferdehuf untersuchen oder bestätigen. Zudem können Zusatzstoffe wie Menthol oder Schleifkörper die feinen Gewebestrukturen des Strahls reizen.

Apfelessig wird wegen seines sauren pH-Werts geschätzt. Fachveröffentlichungen zur Wirksamkeit bei Strahlfäule fehlen jedoch gänzlich. Wässrige Essiglösungen bringen zudem zusätzliche Feuchtigkeit in den ohnehin erweichten Strahl ein, was dem Ziel eines trockenen Milieus entgegenwirkt.

Stark wirkende Substanzen wie hochkonzentrierte Jodlösungen besitzen zwar austrocknende Eigenschaften, sind aber nicht ohne Risiko. Das Merck Veterinary Manual weist darauf hin, dass bei der Auswahl äußerlicher Mittel die Tiefe der Gewebebeteiligung berücksichtigt werden muss, da viele Mittel durch ihre ätzende Wirkung auf das Keimgewebe weiteren Schaden anrichten können. Eine scharfe Austrocknung kostet das Strahlhorn zudem seine Elastizität und begünstigt neue Risse.

HausmittelBehauptete WirkungWissenschaftliche EvidenzMögliche Risiken am Huf
ZahnpastaAustrocknung, GeruchsbindungKeine publizierten Studien vorhandenReizung von Gewebe durch Schleifkörper und Aromen
ApfelessigSäuerung des pH-MilieusKeine Belege für die Anwendung am HufBringt zusätzliche Feuchtigkeit in das ohnehin erweichte Horn
JodlösungAbtrocknung von FurchenKeine Studien zur Anwendung bei StrahlfäuleÜbermäßige Austrocknung, Gewebereizung bei hoher Dosis

Was Pflege am Strahl leisten kann

Eine sachgemäße Pflege am Strahl konzentriert sich darauf, das saubere und trockene Horn in seiner natürlichen Schutzfunktion zu unterstützen. Nachdem mechanischer Schmutz entfernt und die Strahlfurchen getrocknet wurden, schützt eine dünn aufgetragene Pflegeschicht auf dem umgebenden Horn vor äußerer Feuchtigkeit. Eine solche Pflegeschicht ergänzt die tägliche Stallroutine, ohne die natürliche Hornstruktur zu beeinträchtigen.

Für die gezielte Huf- und Hautpflege steht mit equion® Hoof and Skin Gel eine moderne Pflegeformel zur Verfügung. Das Gel wird nach der Reinigung hauchdünn auf das saubere, trockene Horn rund um den Strahl aufgetragen. Die Strahlfurchen selbst bleiben offen, sauber und trocken. Durch seine niedrige Viskosität verbleibt das Paraffinöl-Gel als schonende Schutzschicht auf der Hornoberfläche und schützt das Strahlhorn vor dem direkten Kontakt mit nasser Einstreu oder Stallfeuchtigkeit. Darin liegt der eigentliche Nutzen: Die Gelmatrix hält die Partikel mit den gespeicherten Ionen so lange wie möglich am Horn, während die Ionen bei Feuchtigkeitskontakt nach und nach austreten.

Hinweis zur Technologie: Zink- und Silber-Ionen sind in einem inerten Trägermaterial gespeichert. Bei Kontakt mit Feuchtigkeit aus der Umgebung werden die Ionen kontrolliert abgegeben. Da die Ionen bereits in ihrer Ionenform gespeichert sind, ist keine vorherige chemische Reaktion erforderlich. Das Gel dient ausschließlich der hygienischen Pflege, Reinigung und dem äußeren Schutz des Hufes. Es ist kein Arzneimittel und ersetzt bei tiefgreifenden Gewebeveränderungen nicht die fachgerechte Diagnose und Versorgung durch den Tierarzt oder Hufschmied.

Hinweis: Diese Erläuterungen beschreiben die Eigenschaften der Inhaltsstoffe und die Funktionsweise der Technologie. Sie sind keine Aussagen über die Heilung oder Behandlung von Erkrankungen.

  • Gründliche Reinigung und vollständige Trocknung der Strahlfurchen als erste Voraussetzung
  • Sparsames Auftragen einer gleichmäßigen Pflegeschicht auf dem verhornten Gewebe
  • Schutz der Hornoberfläche vor äußerer Feuchtigkeitseinwirkung
  • Sicherheitsstandards: Entwicklung nach EU-Sicherheitsmaßstäben für Humanprodukte und Herstellung nach ISO 22716
  • Klare Begrenzung: Reines Pflegemittel zur Unterstützung der täglichen Hufhygiene

Wann Hufschmied oder Tierarzt übernehmen

Hygiene und Pflege stoßen an klare Grenzen, sobald tiefere Hufstrukturen betroffen sind. Wenn die mittlere Strahlfurche so tief gespalten ist, dass der Hufkratzer vollständig verschwindet, Druck Schmerzreaktionen auslöst oder Blut sichtbar wird, ist fachliche Hilfe unerlässlich. In diesen Fällen müssen Hufschmied oder Tierarzt umgehend die Beurteilung und Versorgung übernehmen.

Ein deutliches Warnsignal ist eine ausgeprägte Schmerzreaktion, wenn der Strahl beim normalen Auskratzen unter Druck gerät. Reicht die Veränderung bis an die empfindliche Huflederhaut heran, genügt eine reine Hufpflege nicht mehr. Verändertes Strahlhorn muss dann fachgerecht abgetragen werden, damit die tiefer liegenden Bereiche überhaupt zugänglich und behandelbar sind.

Auch wenn trotz vierwöchiger, konsequent trockener Haltung und täglicher Hufreinigung keine deutliche Besserung eintritt, sollte ein Experte hinzugezogen werden. Pferde mit tiefen Strahlfurchen und engen Trachten erkranken häufiger, und bei solchen Hufformen sind Rückfälle wahrscheinlicher. Die Hufbearbeitung sollte sich deshalb an den individuellen Verhältnissen des einzelnen Hufes orientieren.

  • Vollständiges Versinken der Hufkratzerspitze in tiefen Taschen der mittleren Strahlfurche
  • Sichtbare Blutungen oder nässende Stellen beim vorsichtigen Auskratzen
  • Schmerzreaktionen des Pferdes bei leichtem Druck auf den Strahl
  • Taktfehler, Wendeschmerz oder sichtbare Lahmheiten
  • Ausbleibende Verbesserung nach vier Wochen konsequenter Hufhygiene und trockener Haltung
FAQ

All you need to know

Im Anfangsstadium verursacht sie oft keine Schmerzen. Wenn die Fäulnis jedoch tiefer vordringt und empfindliche Strukturen wie die Huflederhaut erreicht, kann das Pferd deutlich druckempfindlich reagieren oder Lahmheit zeigen.

Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit von Zahnpasta am Huf. Die Inhaltsstoffe sind nicht für das Hufhorn gemacht und können das ohnehin geschädigte Gewebe weiter austrocknen und reizen.

Ohne Pflege dringen Bakterien immer tiefer in das Horn ein. Dies kann die Huflederhaut angreifen, starke Schmerzen und Lahmheit verursachen sowie schwerwiegende chronische Hufprobleme begünstigen.

Die Erholung hängt von der Tiefe der Schädigung ab und lässt sich nicht allgemein beziffern. Bleibt der Zustand trotz konsequent trockener Haltung und täglicher Hufhygiene unverändert, gehört der Huf in die Hände von Hufschmied oder Tierarzt.

Apfelessig wird häufig als Hausmittel genannt, es fehlt jedoch der wissenschaftliche Nachweis für eine positive Wirkung. Die enthaltene Säure birgt das Risiko, das weiche Strahlhorn stark anzugreifen und auszutrocknen.

Ein Hufschmied oder Tierarzt muss hinzugezogen werden, wenn der Hufkratzer in tiefen Spalten verschwindet, das Gewebe blutet, das Pferd lahmgeht oder trotz vierwöchiger sauberer und trockener Pflege keine sichtbare Besserung eintritt.