Kratzer, Schrammen und Schürfwunden beim Pferd richtig versorgen
Wenn das Pferd eine Schramme hat, entscheidet die richtige Einschätzung über Pflege oder Tierarzt. Erfahren Sie, wie Sie oberflächliche Hautverletzungen richtig versorgen und ab wann tiefere Wunden zwingend in professionelle Hände gehören.
Eine Pferdebesitzerin untersucht konzentriert eine oberflächliche Schürfwunde am Bein ihres Pferdes, um zu entscheiden, ob der Tierarzt gerufen werden muss. · KI-generiert
Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt.
Kratzer, Schramme oder mehr: zuerst einordnen
Bevor Sie eine Salbe oder ein Gel auftragen, muss jede Hautveränderung beim Pferd präzise eingeordnet werden. Tiermedizinisch werden Wunden nach ihrer Entstehung unterschieden, etwa Schnittwunden durch scharfe Gegenstände und Stichwunden durch Gabelstiche oder Nageltritte. Für den Stallalltag bleiben drei Gruppen: oberflächliche Schürfwunden, Schnittwunden und Stichwunden. Dabei kann eine kleine Stichwunde gefährlicher sein als eine große, oberflächliche Verletzung, weil tiefe Strukturen betroffen sein können.
Die drei alltäglichen Verletzungstypen unterscheiden
Im Stallalltag treten Hautschäden durch Koppelzäune, Putzzeug, Hufschlagwände oder beim Verladen häufig auf. Wer die Pferdehaut und ihren Aufbau versteht, ordnet schneller ein, ob eine mechanische Schramme vorliegt, eine nässende Veränderung in der Fesselbeuge wie Mauke oder eine Scheuerstelle, weil sich das Pferd an der Schweifrübe reibt. Das Erscheinungsbild täuscht oft über das tatsächliche Ausmaß im Gewebe hinweg.
| Verletzungstyp | Gewebebeteiligung | Typisches Erscheinungsbild | Zuständigkeit |
|---|---|---|---|
| Oberflächliche Schürfwunde | Äußerste Hautschicht (Epidermis), intaktes Unterhautgewebe | Haarverlust, leichte Rötung, flächige Schramme ohne tiefe Risse | Eigenständige Pflege und Schutz |
| Schnittwunde | Durchtrennung der Hautschichten, eventuell Muskelgewebe | Glatter Wundrand, klaffende Ränder, kontinuierliche Blutung | Tierärztliche Wundversorgung |
| Stichwunde | Enge Eintrittsöffnung, variable Tiefe in Gewebeschichten | Kleine Öffnung, oft durch Nägel, Holzsplitter oder Draht verursacht | Sofortiger Tierarztruf |
Die Unterscheidung ist entscheidend für den weiteren Ablauf. Während eine oberflächliche Schürfwunde lediglich saubere Schutz- und Pflegemaßnahmen erfordert, bergen Schnitt- und Stichwunden das Risiko von Infektionen in tiefen Strukturen wie Sehnenscheiden oder Gelenken.
Die Fragen, die vor jeder Salbe kommen
Eine strukturierte Checkliste zur Beurteilung entscheidet zuverlässig, ob eine Hautstelle im Stall gepflegt werden kann oder ein Tierarzt nötig ist. Kriterien wie Wundtiefe, unstillbare Blutungen, die Nähe zu Gelenken und Sehnenscheiden, starke Verschmutzung, Fremdkörper, Lahmheit sowie der Tetanus-Impfstatus stehen dabei an erster Stelle. Verletzungen am oder um das Auge gehören unabhängig davon immer in tierärztliche Hände. Ein einziges Ja bedeutet: Telefon statt Tube.
Die Erstbeurteilungs-Checkliste am Pferd
Vor dem Griff zu Pflegeprodukten sollten Pferdehalter die verletzte Stelle systematisch untersuchen. Folgende Fragen führen Schritt für Schritt durch die Beurteilung am stehenden Pferd:
- Blutung: Besteht eine starke Blutung, die sich durch Druck nicht stoppen lässt?
- Tiefe: Ist die Haut vollständig durchtrennt, sind Knochen oder Sehnen sichtbar?
- Lage: Liegt die Stelle über einem Gelenk, einer Sehnenscheide oder in Augennähe?
- Art: Handelt es sich um eine Stichverletzung, etwa durch Gabelstich oder Nageltritt?
- Fremdkörper und Verschmutzung: Ist die Stelle sehr schmutzig oder stecken Holzstücke darin?
- Allgemeinzustand: Zeigt das Pferd Lahmheit, Schwellung, Wärme oder Fieber?
- Tetanusschutz: Ist der Impfschutz unklar oder liegt die letzte Auffrischung über sechs Monate zurück?
Sobald eine dieser Fragen mit Ja beantwortet werden muss, wird keine Salbe aufgetragen. Sichern Sie die Stelle ab, halten Sie das Pferd ruhig und rufen Sie die Tierarztpraxis an. Bei Unsicherheit über das Ausmaß der Verletzung gilt derselbe Grundsatz: im Zweifel den Tierarzt anrufen.
Wie eine oberflächliche Schürfwunde versorgt wird
Die praktische Pflegeroutine für oberflächliche Kratzer erfordert ruhige, hygienische Schritte ohne aggressive Mittel. Bei kleineren Schürfstellen werden die Haut und das umgebende Bein vorsichtig mit handwarmem Wasser und einer milden Seife oder einem geeigneten Desinfektionsmittel gereinigt. Anschließend wird sanft getrocknet, sauber gehalten und täglich in Ruhe angesehen.
Schritt-für-Schritt-Ablauf der Stallhygiene
Bei einer gesicherten oberflächlichen Schramme ohne tiefere Gewebeverletzung hat die Schonung der Hautbarriere Priorität. Folgen Sie diesem Ablauf in der täglichen Routine:
- Sicherheit gewährleisten: Holen Sie eine zweite Person dazu und bringen Sie das Pferd in eine ruhige, gut ausgeleuchtete Box.
- Reinigen: Spülen Sie oberflächlichen Schmutz und Sand vorsichtig mit handwarmem Wasser ab, bei Bedarf mit einer milden Seife oder einem geeigneten Desinfektionsmittel.
- Verzicht auf abdeckende Farbstoffe: Vermeiden Sie stark färbende Bluesprays oder aggressive Mittel, die den Hautzustand optisch überdecken.
- Trocknen ohne Reiben: Tupfen Sie die Ränder und die umgebende Haut mit einem sauberen, weichen Tuch vorsichtig ab.
- Gezielter Hautschutz: Tragen Sie eine dünne Schicht eines passenden Pflegegels auf, damit die Stelle sauber bleibt und vor Nässe und Schmutz geschützt ist.
- Tägliche Verlaufskontrolle: Überprüfen Sie die Stelle täglich auf Hitze, Schwellung oder veränderte Empfindlichkeit.
Zu langes oder intensives Schrubben an Folgetagen sollte vermieden werden, weil dabei normales Granulationsgewebe entfernt wird und die Hautoberfläche unnötig beansprucht wird.
Feucht oder trocken halten: was dahintersteckt
Die Übertragung des Konzepts der feuchten Wundbehandlung aus der Humanmedizin auf Pferdebeine ist wissenschaftlich nicht belegt. In einer kontrollierten Studie an 6 Pferden mit 48 chirurgisch angelegten Wunden am Röhrbein lag die mediane Zeit bis zum vollständigen Epithelverschluss unter einem synthetischen, vollständig okklusiven Verband bei 113 Tagen, unter einer nicht haftenden Gaze bei 53 Tagen. Zudem waren unter dem okklusiven Verband deutlich mehr Abtragungen von Granulationsgewebe nötig.
Studienergebnisse zur Verbandstechnik beim Pferd
Howard, Stashak und Baxter untersuchten 1993 an 6 Pferden mit 48 chirurgisch angelegten Wunden am Röhrbein vier Verbandstypen. Die Tabelle zeigt die beiden Extremwerte. Die gemessenen Ergebnisse verdeutlichen den Unterschied zwischen okklusiven Feuchtverbänden und trockenerer Abdeckung:
| Verbandstyp | Medianzeit bis zum vollständigen Epithelverschluss | Median der Abtragungen von Granulationsgewebe |
|---|---|---|
| Synthetischer, vollständig okklusiver Verband | 113 Tage | 11,5 Abtragungen |
| Nicht haftende Gaze | 53 Tage | 3,5 Abtragungen |
Ein dicht abschließendes, feuchtes Milieu fördert an den Beinen des Pferdes die überschüssige Gewebebildung. Ob eine Verletzung an der Gliedmaße abgedeckt oder offen gehalten wird, ist daher stets eine fachliche Entscheidung für den behandelnden Tierarzt.
Warum Wunden am Pferdebein besonders schwierig sind
Die Haut an den unteren Gliedmaßen des Pferdes heilt aufgrund geringer Durchblutung und hoher mechanischer Spannung langsamer als am Rumpf. Diese physiologische Besonderheit begünstigt die Entstehung von überschüssigem Gewebe, tiermedizinisch als Caro luxurians oder Hypergranulationsgewebe bezeichnet, im Volksmund als wildes Fleisch bekannt. Eine frühzeitige tierärztliche Kontrolle ist deshalb am Bein unerlässlich.
Biologische Faktoren der distalen Gliedmaßen
Tracey et al. beschreiben 2014 im Canadian Veterinary Journal, dass Wunden an der distalen Gliedmaße anders verlaufen als am Rumpf: Die Mikrozirkulation im Wundgebiet ist dort häufig zu 50 bis 60 Prozent eingeschränkt, und überschüssiges Granulationsgewebe verzögert den Verschluss. Mehrere Faktoren wirken an den Beinen zusammen:
- Reduzierte lokale Mikrozirkulation und eine schwache, aber anhaltende Entzündungsreaktion an den Beinen im Vergleich zum Rumpf.
- Ständige Bewegung der Haut über Bändern und Sehnen, die das Gewebe unter Zugspannung setzt.
- Neigung zur ungehemmten Gewebewucherung (Caro luxurians / Hypergranulationsgewebe), die den normalen Verschluss der Hautränder blockiert.
- Erhöhte Exposition gegenüber Schmutz und Feuchtigkeit nahe am Boden.
Während eine kleine Schramme an der Schulter meist unkompliziert abtrocknet, erfordert dieselbe Stelle am Röhrbein erhöhte Aufmerksamkeit und bei Unsicherheit die Einschätzung durch den Tierarzt.
Was ein Pflegeprodukt hier leisten darf
Ein Pflegemittel für Pferdehaut dient der äußeren Reinigung, der Pflege und dem Schutz. equion® Hoof and Skin Gel eignet sich gezielt für die Pflege von Kratzern, oberflächlichen Hautverletzungen, Schrammen und Schürfwunden auf ansonsten intakter Haut. Das dünnflüssige Gel auf Paraffinölbasis wird hauchdünn aufgetragen und verbleibt als leichter Schutzfilm auf der Hautoberfläche. Es ist kein Wundverband und ersetzt keine tierärztliche Wundversorgung. Darin liegt der eigentliche Nutzen: Die Gelmatrix hält die Partikel mit den gespeicherten Ionen so lange wie möglich an Ort und Stelle, während die Ionen bei Feuchtigkeitskontakt nach und nach austreten.
Kontrollierte Ionenfreisetzung für die tägliche Hautpflege
Hinweis: Diese Erläuterungen beschreiben die Eigenschaften der Inhaltsstoffe und die Funktionsweise der Technologie. Sie sind keine Aussagen über die Heilung oder Behandlung von Erkrankungen.
Die Rezeptur nutzt die Multi-Ionen-Technologie. Zink-Ionen sind dabei die führende ionische Komponente, während Silber-Ionen eine ergänzende, reinigende Funktion übernehmen. Beide Ionenarten sind gebrauchsfertig in ihrer ionischen Form in einem inerten Trägermaterial gespeichert.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Metallpflegeprodukten ist keine chemische Reaktion erforderlich. Bei Produkten mit metallischen Partikeln muss das Metall erst in wässriger Umgebung – etwa durch Hautfeuchtigkeit oder Schweiß – ein Elektron abgeben (oxidieren). Bei metallhaltigen Verbindungen wie Zinkoxid muss sich die Verbindung erst lösen, bevor Ionen frei werden. Wie viele Ionen dabei tatsächlich frei werden, hängt von den Bedingungen ab und ist schwer vorherzusagen. Genau dieser Schritt entfällt hier, was eine gleichmäßigere Abgabe erlaubt.
equion® Hoof and Skin Gel wird nach den strengen Sicherheitsstandards entwickelt, die für menschliche Kosmetikprodukte in der EU gelten, von Herstellern nach ISO 22716 gefertigt und in medizinischer Verpackung geliefert.
- Geeignete Anwendung: Pflege von kleinen Kratzern, oberflächlichen Hautverletzungen, Schrammen und Schürfwunden auf ansonsten intakter Haut.
- Strikte Ausschlussbereiche: Niemals anwenden bei offenen, tiefen oder blutenden Wunden, nässenden Stellen, nach operativen Eingriffen sowie auf Sarkoiden, Tumoren oder anderen unklaren Hautveränderungen.
- Wichtiger Hinweis: Bei sichtbaren Gewebsdefekten, nässender Haut oder Lahmheit ist stets der Tierarzt zu konsultieren.
Wann sofort der Tierarzt kommt
Sofortige tierärztliche Hilfe ist unumgänglich, sobald eine Hautverletzung die oberflächlichen Schichten überschreitet oder Risikosignale zeigt. Starke oder pulsierende Blutungen, Wunden nahe an Gelenken oder Sehnenscheiden, Stichverletzungen, Drahtrisse, Fremdkörper im Gewebe, Lahmheit und deutliche Schwellung machen den Tierarztbesuch zwingend erforderlich. Welche Strukturen betroffen sind, lässt sich nur tierärztlich abklären, etwa mittels Röntgen und Gelenkpunktion. Auch ein unklarer Tetanus-Impfstatus gehört in tierärztliche Hände.
Übersicht der absoluten Alarmsignale
Wenn Sie am Pferd eines der folgenden Warnzeichen feststellen, ergreifen Sie sofort Erste-Hilfe-Maßnahmen und rufen Sie die Tierarztpraxis an:
- Pulsierende oder starke Blutung, die sich mit einem Druckverband nicht stillen lässt.
- Verletzung in direkter Nähe von Gelenken oder Sehnenscheiden, weil daraus rasch eine Gelenksinfektion entstehen kann.
- Stichverletzungen, einschließlich Nageltritten im Hufbereich.
- Sichtbare Fremdkörper wie Holzsplitter, Steine oder Metallteile in der Wunde.
- Deutliche Lahmheit, Entlasten der Gliedmaße oder ausgeprägte Wärme und Schwellung.
- Apathisches Verhalten, Fressunlust oder erhöhte Körpertemperatur.
- Fehlender oder unvollständiger Tetanus-Impfschutz (Auffrischung bei Verletzung erforderlich, falls länger als sechs Monate her).
Ein besonnener Erstcheck gibt Sicherheit. Indem Sie oberflächliche Kratzer hygienisch pflegen und tiefergehende Verletzungen konsequent dem Tierarzt übergeben, sichern Sie die Gesundheit Ihres Pferdes bestmöglich ab.
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Eine kleine Schürfwunde wird zuerst mit handwarmem Wasser, bei Bedarf mit einer milden Seife oder einem geeigneten Desinfektionsmittel, vorsichtig von Schmutz befreit. Danach sollte sie sanft getrocknet und sauber gehalten werden. Verwenden Sie keine aggressiven Mittel oder farbigen Sprays, die den Zustand der Haut verdecken. Ob eine tiefere Verletzung abgedeckt wird, entscheidet der Tierarzt.
Nein, Zinksalbe oder andere Pflegeprodukte dürfen niemals auf eine offene, tiefe oder blutende Wunde aufgetragen werden. Solche Verletzungen gehören immer in die Hände eines Tierarztes. Eine dicke Salbe kann die Stelle abdichten, was gerade am Pferdebein die Bildung von wildem Fleisch begünstigen kann.
Am Pferdebein brauchte eine vollständig abgedichtete, feucht gehaltene Wunde in einer kontrollierten Studie an 6 Pferden deutlich länger bis zum Epithelverschluss und machte häufiger Abtragungen von Granulationsgewebe nötig als eine einfache, nicht haftende Abdeckung. Bei oberflächlichen Schrammen reicht es meist, die Stelle nach der Reinigung sauber zu halten, während tiefere Verletzungen tierärztlich abgedeckt werden müssen.
Typische Anzeichen für eine Entzündung sind deutliche Schwellungen, Hitze, zunehmende Lahmheit oder eitriger Ausfluss. Auch wenn das Pferd teilnahmslos wirkt oder Fieber entwickelt, ist dies ein Alarmsignal. In diesen Fällen, wie auch bei Verdacht auf einen Einschuss, muss sofort der Tierarzt kontaktiert werden.
Der Tierarzt muss sofort gerufen werden bei stark blutenden, tiefen oder klaffenden Wunden, Stich- und Drahtverletzungen sowie Verletzungen in der Nähe von Gelenken oder Sehnenscheiden. Auch bei Fremdkörpern in der Wunde, Lahmheit, Hitze, Schwellung oder wenn der Tetanusschutz des Pferdes unklar ist, ist professionelle Hilfe unverzichtbar.
